Samstag war ich mit meinem Sohn (8) an der SuisseToy. Wir lieben diese Messe und gehen da jedes Jahr hin, seit wir davon wissen. Ich war sehr stolz zu sehen, wie gut er mit dem ganzen Kommerz-Ueberschwang zurecht kommt. Und wie besonnen er mit seinem Geld umgegangen ist. Das kann er jetzt schon besser als ich. Er hat dieses Geld selbst zusammengespart und verdient (mit Spielzeug-Verkauf am letzten Dorf-Märit). Sehr enttäuscht war er, als wir erfuhren, dass Lego auch von dem Brand in der einen Halle betroffen gewesen und abgereist war. Weil er hatte eigtl. geplant, sein Geld bei Lego liegen zu lassen. So musste er sich dann mit Playmobil zufrieden geben. Aber zuerst haben wir uns natürlich möglichst viel von der Messe angeschaut, sämtliche Wettbewerbe mitgemacht, uns mit Kostproben bestechen lassen und neue Gesellschaftsspiele gelernt.
Leider hat die Messe auch ihre Schattenseiten. Viele Kinder waren von den vielen Eindrücken schlicht überfordert. Kombiniert mit dem ganzen Zuckerzeug führte das dann zu sehr unschönen Szenen: schlagende Mütter, wild drohende Väter… Ich glaube wenn man den Umgangston, den diese Eltern hier mit ihren eigenen Kindern zeigten auf Tonband aufgenommen und ihnen später vorgespielt hätte, die wären aus allen Wolken gefallen. Wirklich sehr grob und ja, gewalttägig. Wenn ich die Nerven mit meinem Sohn verliere, behaupte ich danach wenigstens nicht, es sei nur seine Schuld und eine angemessene Reaktion gewesen! Und das waren meist sehr kleine Kinder, denen man nun wirklich noch nicht sie Veranwortung übergeben kann für ihre Reaktion auf diese anspruchsvolle Situation.
Sonntag war Hausarbeit angesagt – aber zwischendurch fand ich doch noch die Zeit, das aktuelle Magazin zu lesen. Es hatte einige sehr gute Artikel drin (wenn sie nicht gerade über das Impfen schreiben, finde ich das meistens ein sehr gutes Heftli), z.B. über Frauen, die behinderte Kinder abgetrieben haben oder erwägen, dies zu tun. Für mich am wichtigsten war der Artikel über einen Lehrer, der am System gescheitert ist und jetzt was anderes macht: Warum ich nicht mehr Lehrer bin
In beiden von ihm beschriebenen Schulen, sowohl an der öffentlichen wie an der privaten Sek, fundierte (von mir aus gesehen) das “Problem” in der Leistungsorientierung. Während am einen Ort die Schulleitung die Kinder beliebig herumverschiebt, sind es am andern Ort die Eltern, die ausschliesslich in Noten denken – als ob davon das zukünftige Glück ihrer Kinder abhinge. Bin ich froh, gibt es die arco und können wir es uns im Moment leisten, unseren Sohn dahin zu schicken!!! Mein Kind soll nicht glauben, dass ihn eine Zahl definiert.
Verrückt eigtl. wie sehr sich gerade auch die Lehrerschaft dagegen wehrt, das System Schule von Grund auf umzukrempeln. Klar sind sie Reform-müde, aber das waren ja bloss immer nur Versuche, am alten System herumzudoktorn. Dabei basiert das alte System auf einem von mir aus gesehen veralteten Menschenbild und sollte völlig abgelöst werden. Kinder braucht man nicht zu irgendwas zu erZIEHEN – die WOLLEN ja lernen. Nur allzuoft hindert sie aber die Schule mehr daran als sonstwas. Aber dazu haben andere mehr und besser geschrieben, als ich es kann. Für Lehrer/innen empfehle ich als Einstieg “Das kompetente Kind” von Jesper Juul.
Kürzlich wurde ich in einer Mailing-Liste in der es eigtl. um Homeschooling ging auf einen Blogeintrag von einem Jungen aus Alaska verwiesen, dessen Familie etwas betreibt, was dort offenbar Unschooling heisst. D.h. die Kinder gehen nicht zur Schule, und werden auch nicht unterrichtet, sondern leben und lernen im eigenen Rythmus. Eigtl. ganz ähnlich, wie wir uns das in der arco vorstellen, bloss sprechen wir dann auch noch von der “gestalteten Umgebung” (siehe Rebeca und Maricio Wild). In gewisser Weise ist natürlich auch in dieser Familie eine gestaltete Umgebung vorhanden, indem die Mutter durch ihre Präsenz einen sehr warmen, liebevollen Rahmen bietet. Lustig sind dann auch die Widersprüche zu “uns” (damit meine ich das Schulumfeld unseres Sohnes): während wir mehr oder weniger Medien-kritisch sind und zumindest einige von uns den Medienkonsum der Kinder stark einschränken (unser Sohn darf wöchentlich eine halbe Stunde PC oder TV nutzen, mit Ausnahmen), ist in dieser Familie der PC eins der Hauptlernmittel der Kinder, und wird das abendliche gemeinsame Fernsehen zelebriert. Hier der Link zum Blog der Mutter.
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